Galerie Henze & Ketterer
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Kunst-Depot

Daniel Spoerri

Zum 80. Geburtstag 

vom 28. Mai bis 24. Juli 2010

Minikatalog  


Hyänenteppich mit Wildschweinfrischlingen
Assemblage 1980
145 x 125 x 27 cm. Rückseitig signiert und datiert.

 


Détrompe-l'oeil. Hintergrundbilder. (mit zwei Lamafoeten aus Bronze)
Assemblage 1988
75 x 93 x 7 cm. Rückseitig signiert und datiert "1988 Ueberstorf". Maler: L. Müller

 


Détrompe-l'oeil. Hintergrundbilder. Hühnerfalle
Assemblage 1988
Gemälde signiert "K. Zeh". 82 x 102 x 26 cm. Rückseitig bezeichnet "Flohmarkt München".

 


Corps en morceaux: Frau hinter Gittern
Assemblage 1993
185 x 132 x 50 cm.

 


Carnaval des animaux. Figure humaine comparée avec celle de l'ane.
Assemblage 1996-96
Auf Scannachromevergrösserungen nach Zeichnungen von Charles Le Brun (ca. 1670) auf Leinwand über Holztafel. 155 x 100 x 68 cm.

 


Sevilla-Serie Nr. 13. Mit Sägefisch-Unterkiefer und "Hecht"-Keramik
Assemblage 1991
"eaten by...": Pierre & Marianna Nahon und Gäste des Sevilla-Banketts. Paris, Atelier rue du Retrait. 19. November 1991. 80 x 160 x 40 cm.

 


Sevilla-Serie Nr. 18. Mit Händen und Plastikblumen
Assemblage 1991
"Eaten by...": Jean Hubert Martin & Laure, Claudine Papillon, Otto Hahn, Nicole Fauche und Gäste des Sevilla-Banketts. Paris, Atelier rue du Retrait, 19. November 1991. 80 x 260 x 60 cm. (zweiteilig)

 


Sevilla-Serie Nr. 30. Zwei Porzellanfische
Assemblage 1991
"eaten by...": Regina & Dominik Sarasin, D.S. & Pavel Schmidt. Sevilla, Pabellon de Suiza, 21. Februar 1992. 80 x 186 x 40 cm. Rückseitig signiert, betitelt und datiert. (zweiteilig).

 

Daniel Spoerri

Retrospektive zum 80. Geburtstag

Die ganze Wucht des europäischen Dramas nach 1939 prägte Kindheit und Jugend. 1930 in Galatz in Rumänien geboren, der Vater, konvertierter Jude und protestantischer Missionar, eigentlich Buchhändler, fiel 1941 einem dortigen Pogrom zum Opfer, der Mutter, Schweizerin, gelang im Herbst 1942 die Flucht mit ihren Kindern in die Schweiz. Der väterliche Name Feinstein wird zugunsten des mütterlichen Spoerri aufgegeben, denn erst mit der endgültigen Befreiung Europas 1945 konnte aufgeatmet werden. Zwei seiner Geschwister zerbrachen an diesen Erfahrungen. Daniel Spoerri fand sein Gleichgewicht im extremen Gegensatz des leichtfüssigen Tanzes. Hier lernte er den Kairos erkennen, den fruchtbaren Augenblick, in welchem der Körper für den Zuschauer ein Bild malt. Und er wurde Theaterregisseur, Arrangeur von Menschen und Dingen. Beides waren eminente Voraussetzungen für seine spätere Kunst. Beides erprobte er von 1952 bis 1959 nach Pariser Lehrjahren in Bern, als Erster Tänzer am Stadttheater und in den zahlreichen Kleintheatern der Stadt, schliesslich am Theater in Darmstadt.

Im Jahre 1960 mutiert Daniel Spoerri in einem kleinen Pariser Hotelzimmer zum Künstler, wird Mitbegründer des „Nouveau Réalisme". Seitdem hat er in fast allen Ländern Mitteleuropas als Objekt- und Installationskünstler, Koch und Restaurantbetreiber, Ausstellungs- und Büchermacher, Museumsgründer und Gartenarchitekt deutliche und dauerhafte Spuren hinterlassen. Der heute in Wien lebende und arbeitende Künstler blickt nicht nur auf 80 Jahre wechselvollsten Lebens von nach wie vor intensivster Tätigkeit zurück sondern auch auf 50 Jahre „Nouveau Réalisme". Diese ist wohl die nachhaltigste Formulierung der „Neuen Figuration", welche die Weltsprache der Abstraktion der Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg ablöste.

Pierre Restany formulierte 1960 die Maximen des „Nouveau Réalisme", denen zufolge ein Kunstwerk möglichst ohne Eingriff des Künstlers zu entstehen habe. Daniel Spoerri setzte diese Forderung im Kreise seiner Mitstreiter und Freunde Yves Klein, François Dufrêne, Jean Tinguely, Arman, Martial Raysse, Niki de Saint Phalle, César und Christo wohl am radikalsten um. Er erklärte schlicht etwas von ihm Vorgefundenes, z. B. den Verkaufstisch eines Händlers auf einem Pariser Flohmarkt, durch seine Signatur zum Kunstwerk. Die künstlerische Verfremdung ereignete sich durch einen simplen aber im höchsten Masse effektvollen Trick: Die Gegenstände wurden auf dem Verkaufstisch fixiert, dieser von der Horizontalen in die Vertikale gedreht und an der Wand aufgehängt. Die hierdurch hervorgerufene Veränderung ist nicht nur eine dramatische. Es handelt sich um einen tatsächlichen Wandel der Realität, um künstlerische Verfremdung par excellence.

Spoerris gesamtes Lebenswerk basiert auf dieser Erfahrung und Methode. Immer liess er in einem bestimmten Augenblick die „Falle zuschnappen". Alle seine Werke sind „Fallenbilder", „Tableaux pièges", sei die Falle nun über zufällig Vorgefundenem oder unter den spielerischen Händen des Künstlers Zusammengestelltem zugeschlagen, sei es die reine Fixierung der Gegenstände und deren Drehung um neunzig Grad oder der Abguss in Bronze für die Ewigkeit. Wenn die Gegenstände die aus der Sicht des Künstlers „richtige" Position gefunden hatten, der Kairos, der fruchtbare Augenblick, die Peripetie der Dinge also erreicht war, liess er die Falle zuschnappen. Schon bald arrangierte er den Zufall, stellte als Theaterregisseur die Dinge zusammen, liess ganz bestimmte Menschen mit diesen Dingen umgehen, z. B. beim Essen. Der Augenblick, in dem Alles stimmt, alle Kräfte konvergieren, wo jedes weitere Zögern Verlust bedeuten würde, muss aber immer wieder gefunden werden. Dies selbst dann, wenn der Künstler allein im Atelier eine Assemblage zusammenstellt, auch die Arbeit an einer solchen muss bei Erreichen des Optimums jäh und definitiv abgebrochen werden.


Der in Rumänien Geborene, dort und in Bern Aufgewachsene ist zwar Schweizer, arbeitete jedoch an vielen Orten Europas und dies jeweils für eine ganze Reihe von Jahren in dieser Reihenfolge: Paris, Symi (Insel der Ägäis), Düsseldorf, Cavigliano (Tessin), Toggwil am Zürichsee, Berlin, München, Uebersdorf bei Bern, ab 1989 wieder in Paris und in Arcidosso sowie Seggiano in der Toscana, seit 2007 Wien, ohne die kürzeren Arbeitsaufenthalte an anderen Orten sowie die Wahrnehmung zahlreicher Lehraufträge und Professsuren zu erwähnen. An allen diesen Orten richtete Spoerri sich geräumige Ateliers ein, in Düsseldorf das legendäre „Eat-Art-Restaurant", schuf einen extraordinären Ausstellungs-Zyklus mit seinen „Musées Sentimentales", inszenierte gewaltige Bankette, jeweils unter einem bestimmten Motto, verfasste Bücher zum Thema Essen, machte aus fast jedem Katalog zu seinen zahlreichen Ausstellungen ein Künstler-Buch, stiftete und kuratiert seit 1997 seinen Skulpturenpark in der Toscana und seit 2009 das „Ausstellungshaus Spoerri" in Hadersdorf am Kamp bei Wien.

Obwohl ihn das Leben Distanz halten lehrte, ist Spoerri menschlich-künstlerisch vor allem Eines: Ein Freund! Seine gemeinsam mit Freunden geschaffenen Werke, Ausstellungen und Ereignisse ziehen sich wie ein roter Faden durch Werk und Leben. In seinem Skulpturenpark am Monte Amiata in der Toscana hat er seinen Künstlerfreundschaften ein Denkmal gesetzt. Neben und nach den Pariser Nouveaux Réalistes kamen die Schweizer, allen voran Meret Oppenheim, Eva Aeppli, Bernhard Luginbühl, André Thomkins, Alfonso Hüppi, Dieter Roth, Karl Gerstner. Wenn eben möglich müssen sie ein Werk für den Skulpturenpark schaffen oder zumindest muss ein solches dort an sie erinnern. Dort entdeckt er aber auch neue junge Künstler und lässt sie zu Wort kommen.

Von Wien aus in Richtung Krems hat er nun in Hadersdorf in historischen Gebäuden um den weiten Dorfplatz herum ein geeignetes Ambiente für ein eigenes Museum, genannt „Kunststaulager" und „Ausstellungshaus Spoerri", gefunden. Er gehört eben zu den Künstlern, welche ihre Kunst nicht entlassen, nicht loslassen, sondern auch den „Zweiten Teil der Kunst", die Rezeption und Interpretation, nicht Anderen und nicht dem Zufall, den er ja genau kennt, überlassen. Daher hat er fast alle Ausstellungen seines Werkes auch in den Museen selbst kuratiert, daher sind fast alle seine Kataloge und Bücher Künstler-Bücher, von ihm gestaltet, redigiert und zumeist auch geschrieben. Aber auch in Hadersdorf stellt er seine Freunde aus, so gerade zur Zeit die von ihm besonders verehrte Freundin Eva Aeppli, und auch in Hadersdorf gibt es nicht nur ein Museum seiner Werke und eine Ausstellungshalle für die Freunde, es gibt selbstverständlich auch ein „Esslokal Spoerri". Leben und Tod von Mensch und Tier mit Allem, was dazu gehört von der lebenserhaltenden Medizin bis zum entlegensten Kuriosum, und immer wieder die Alles antreibende Kraft, das Essen, sind die zentralen Themen seines Werkes in radikaler Gegenüberstellung und radikalem Wandel: Eben noch Nichts und jetzt schon Alles.

Nach vier umfangreichen Ausstellungen zu Daniel Spoerri, in welchen jeweils jüngste Ergebnisse seines Schaffens gezeigt wurden – 1993 die „Sevilla-Tische", 1998 die Bronzen, 2001 die Rekonstruktion der „Chambre no. 13" und 2004 „Restaurant Spoerri au Jeu de Paume" – zeigt die Galerie Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern, jetzt aus Anlass des 80. Geburtstages des Künstlers eine Auswahl von ca. 70 Werken der unterschiedlichsten Schaffensphasen und Werkkomplexe.

Ingeborg Henze-Ketterer und Wolfgang Henze
Kurztext zur 90. Ausstellung in der Galerie Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern, 29. Mai bis 24. Juli 2010

 

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M E D I E N - M I T T E I L U N G    Ausstellung 90     Wichtrach/Bern, den 21. Mai 2010
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Daniel Spoerri

Retrospektive zum 80. Geburtstag

Seit im Jahre 1960 der ehemalige Tänzer des Berner Stadttheaters in einem kleinen Pariser Hotelzimmer als Mitbegründer des „Nouveau Réalisme" zum Künstler mutierte, hat Daniel Spoerri in fast allen Ländern Mitteleuropas als Objekt- und Installationskünstler, Koch und Restaurantbetreiber, Ausstellungs- und Büchermacher, Museumsgründer und Gartenarchitekt deutliche und dauerhafte Spuren hinterlassen. Der 1930 geborene und heute in Wien lebende und arbeitende Künstler blickt nicht nur auf 80 Jahre wechselvollsten Lebens von nach wie vor intensivster Tätigkeit zurück sondern auch auf 50 Jahre „Nouveau Réalisme", der nachhaltigsten Formulierung der „Neuen Figuration", welche die Weltsprache der Abstraktion der Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg ablöste.

Pierre Restany formulierte 1960 die Maximen des „Nouveau Réalisme", denen zufolge ein Kunstwerk möglichst ohne Eingriff des Künstlers zu entstehen habe. Daniel Spoerri setzte diese im Kreise seiner Mitstreiter und Freunde Yves Klein, François Dufrêne, Jean Tinguely, Arman, Martial Raysse, Niki de Saint Phalle, César und Christo wohl am radikalsten um. Er erklärte schlicht etwas von ihm Vorgefundenes, z. B. den Verkaufstisch eines Händlers auf einem Pariser Flohmarkt, durch seine Signatur zum Kunstwerk. Die künstlerische Verfremdung geschah durch einen simplen aber im höchsten Masse effektvollen Trick: Die Gegenstände wurden auf dem Verkaufstisch fixiert, dieser von der Horizontalen in die Vertikale gedreht und an der Wand aufgehängt. Die hierdurch hervorgerufene Veränderung ist nicht nur eine dramatische. Es handelt sich um einen tatsächlichen Wandel der Realität, um künstlerische Verfremdung par excellence.

Spoerris gesamtes Lebenswerk basiert auf dieser Erfahrung und Methode. Immer liess er in einem bestimmten Augenblick die „Falle zuschnappen". Alle seine Werke sind „Fallenbilder", „Tableaux pièges", sei die Falle nun über zufällig Vorgefundenem oder unter den spielerischen Händen des Künstlers Zusammengestelltem zugeschlagen, sei es die reine Fixierung der Gegenstände und deren Drehung um neunzig Grad oder der Abguss in Bronze für die Ewigkeit.

Der 1930 in Rumänien Geborene, dort und in Bern Aufgewachsene ist zwar Schweizer, arbeitete jedoch an vielen Orten Europas und dies jeweils für eine ganze Reihe von Jahren: Paris, Symi (Insel der Ägäis), Düsseldorf, Cavigliano (Tessin), Toggwil am Zürichsee, Berlin, München, Uebersdorf bei Bern, ab 1989 wieder in Paris und in Arcidosso sowie Seggiano in der Toscana, seit 2007 Wien, ohne die kürzeren Arbeitsaufenthalte an anderen Orten sowie die Wahrnehmung zahlreicher Lehraufträge und Professsuren zu erwähnen. An allen diesen Orten richtete Spoerri sich geräumige Ateliers ein, in Düsseldorf das legendäre „Eat-Art-Restaurant", schuf einen extraordinären Ausstellungs-Zyklus mit seinen „Musées Sentimentales", inszenierte gewaltige Bankette, jeweils unter einem bestimmten Motto, verfasste Bücher zum Thema Essen, machte aus fast jedem Katalog zu seinen zahlreichen Ausstellungen ein Künstler-Buch, stiftete und kuratiert seit 1997 seinen Skulpturenpark in der Toscana und seit 2009 das „Ausstellungshaus Spoerri" in Hadersdorf am Kamp bei Wien.

Nach vier umfangreichen Ausstellungen zu Daniel Spoerri, in welchen jeweils jüngste Ergebnisse seines Schaffens gezeigt wurden – 1993 die „Sevilla-Tische", 1998 die Bronzen, 2001 die Rekonstruktion der „Chambre no. 13" und 2004 „Restaurant Spoerri au Jeu de Paume" – zeigt die Galerie Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern, jetzt aus Anlass des 80. Geburtstages des Künstlers eine Auswahl von ca. 70 Werken der unterschiedlichsten Schaffensphasen und Werkkomplexe

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